Ausgangslage

 

Das Haus meiner Eltern war ein eingeschossiges Einfamilienhaus Baujahr 1976/77. Der Dachboden wurde seinerzeit nicht für einen (späteren) Ausbau vorgesehen. Das heißt:
→ kein Kniestock
→ nur 27° Dachneigung
→ keine Isolierung
→ kein Sanitär

 

 

Planung

 

Der Ausbau sollte folgende Maßnahmen beinhalten:
→ 50 cm Kniestock
→ 45° Dachneigung
→ Isolierung nach dem aktuellen Stand der Bautechnik

Dadurch sollte im Dachgeschoss eine separate Wohnung entstehen. Nachdem das Haus aber ein Hanghaus zum Westen hin ist, waren wir uns nicht sicher, ob die Maßnahmen von den zuständigen Behörden auch genehmigt werden. Durch die Aufstockung haben wir auf der Westseite vier Stockwerke: Keller, Erdgeschoss, Dachgeschoss und Spitzboden. Dank unserem Architekten passierte der Plan aber ohne "einen roten Strich" die entsprechenden Gremien. :-)

 

 

Angebote

 

Mit dem genehmigten Bauplan in der Hand haben wir uns "auf den Weg" gemacht, Angebote für die unterschiedlichen Gewerke einzuholen. Dabei war für uns wichtig, möglichst viel aus einer Hand zu erhalten. Wer nun denkt, dass man den Koordinationsaufwand durch einen Dritten teuer bezahlen muss, der irrt sich.

Das erste Angebot für den "eigentlichen Ausbau" sollte grob zusammengefasst folgende Gewerke beinhalten:
→ Abriss des alten Dachstuhls und der Giebelmauern bis zur Rohbetondecke
→ Aufbau des neuen Dachstuhls, des Kniestocks und der Giebelwände (inklusive Außenputzarbeiten)
→ Isolierung des Dachstuhls und Trockenbauarbeiten im Dachbereich
→ Aufbau der Trag- und Trennwände (inklusive Verputzarbeiten)
→ Estrich

So hatte es die Zimmerei zumindest in ihrer Anzeige beworben und so sind wir auch in unserem ersten Gespräch mit den Firmeninhaber verblieben. Der Ausbau sollte in der klassischen Ziegelbauweise erfolgen. Ein weiteres Gespräch hat dann bestätigt, was wir schon vermutet haben, als wir das Angebot erhielten: Die Zimmerei bietet doch nicht alle Gewerke an; es fehlten Außen- und Innenputzarbeiten, Isolierung und Trockenbauarbeiten und der Estrich. Zwar hat uns die Zimmerei Firmen genannt, die diese Leistung erbringen, aber das war nicht unser Ziel. Um ansatzweise einen Vergleich zum zweiten Angebot zu erhalten, haben wir die Preise für die fehlenden Gewerke dennoch angefragt. In Summe lagen wir damit preislich über dem zweiten Angebot.

Das zweite Angebot beinhaltete alle oben genannten Leistungen, war jedoch nicht der klassische Ziegelbau, sondern Holzständerbauweise. Das bedeutet, dass die Giebelwände und die Innenmauern komplett aus Holz bzw. holznahen Materialen bestehen. Im Detail:
→ Die tragenden Elemente sind aus Leimholz.
→ Außen werden die Holzständer mit einer Putzträger-, innen mit einer OSB-Platte verschlagen; die Hohlräume werden mit Zellulose ausgeblasen.
→ Das Dach wird von oben mit Brettern und von unten mit OSB-Platten verschlagen; die Hohlräume werden ebenfalls mit Zellulose ausgeblasen.
→ Bei den Giebelwänden wird innen eine Installationsebene aufgezogen, diese mit Fermacellplatten beplankt und mit Flachs isoliert.
→ Die Innenwände werden beidseitig mit Fermacellplatten beplankt und mit Flachs gedämmt.
→ Die Zwischendecke (zwischen Dachgeschoss und Spitzboden) wird von oben und unten mit OSB-Platten verschlagen und mit Holzfaser gedämmt.
→ Dach und Zwischendecke werden zusätzlich mit Fermacellplatten verkleidet.
→ Der Estrich besteht ebenfalls aus Fermacellplatten.

Die Vorteile der Holzständer- im Vergleich zur Ziegelbauweise liegen auf der Hand:
→ Die mit Zellulose und Flachs isolierten Wände bieten eine deutlich bessere Wärmeisolierung und eine besseren Schallschutz.
→ Der Ausbau erfolgt komplett mit Holz bzw. holznahen Materialien. Damit ist keine Feuchtigkeit im Haus, die erst austrocknen muss.
→ Das Gesamtgewicht ist bei der Holzständerbauweise geringer, so dass das Fundament weniger belastet wird.

Was mich persönlich an der Holzständerbauweise so begeistert hat, war die Tatsache, dass es keine Stemm- und Putzarbeiten gibt. Die Kabel und (Leer-)Rohre können in der Installationsebene bzw. den Trennwänden eingebracht werden, ohne dass ich vorher den "halben Ziegel" heraus klopfe, um anschließend alles wieder zu verputzen. Speziell bei unserem Angebot kam noch hinzu, dass es wirklich die Leistungen beinhaltete, die wir auch an eine Firma übergeben wollten. Ein lästiges Abstimmen zwischen den verschiedenen Handwerkern entfiel zumindest für einen Großteil der zeitkritischen Gewerke.

Weitere wesentliche Gewerke waren:
→ Elektriker
→ Fenster (auch fürs Erdgeschoss)
→ Heizung / Sanitär
→ Spengler
→ Treppen
→ Türen (auch fürs Erdgeschoss)

Da wir vor zwei Jahren bei einem kleineren Gewerk schon schlechte Erfahrungen mit einem Handwerker aus der Umgebung gemacht haben, haben wir für die genannten Leistungen nur Handwerker um Abgabe eines Angebots gebeten, die uns von Bekannten und Freunden empfohlen worden sind. Trotzdem kann ich jedem nur empfehlen, sich gut in die Materie einzuarbeiten und sich intensiv mit den Angeboten und überlassenen Unterlagen auseinanderzusetzen. Wer sich hier zu sehr auf die Anbieter verlässt, ist auf gut Deutsch verlassen. Solche Leute brauchen sich nachher aber auch nicht wundern, wenn einiges oder sogar vieles schief läuft.

 

Weiter zum Rohbau